Hintergrund und ZielePhysiotherapeutische Übungen, deren Wirksamkeit in wissenschaftlichen Studien belegt wurde, werden zur Behandlung der idiopathischen Skoliose empfohlen. Diese Übungen sollten vor einem Spiegel durchgeführt werden, der als hilfreiches visuelles Feedbacksystem zum Erlernen und Ausführen der Selbstkorrekturbewegung dient. Feedbacksysteme werden auch in der orthopädischen Rehabilitation zur Unterstützung der Übungsausführung eingesetzt. Systeme auf Basis der Oberflächenelektromyographie (sEMG) sind in der Muskelrehabilitation wirksam. Mehrere Studien nutzten sEMG, um die Aktivität der paravertebralen Muskulatur bei Jugendlichen mit idiopathischer Skoliose zu untersuchen. Die Ergebnisse wurden den Teilnehmenden jedoch nicht mitgeteilt. Insbesondere wurden die kurzfristigen Auswirkungen des Einsatzes eines sEMG-Biofeedbacksystems auf die Durchführung von Selbstkorrekturbewegungen während Haltungsübungen bisher nicht untersucht. Ziel dieser Studie ist es, die Auswirkungen zweier Übungseinheiten – einer mit Spiegelunterstützung und einer mit sEMG-Biofeedback – auf die Selbstkorrekturbewegung von Personen mit idiopathischer Skoliose zu evaluieren und zu vergleichen.
Materialen und MethodenFünfzig Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 14 Jahren mit juveniler und adoleszenter idiopathischer Skoliose (Cobb-Winkel ≤ 20°, einfache oder doppelte Krümmung) werden aus der pädiatrischen orthopädischen Ambulanz des Krankenhauses “Città di Pavia” rekrutiert. Die Teilnehmer müssen zuvor keine Erfahrung mit Haltungsübungen haben. Ausschlusskriterien sind: Korsetttherapie oder deren Indikation sowie Begleiterkrankungen des Bewegungsapparates. Die Eltern der Teilnehmer geben ihr schriftliches Einverständnis. Die Teilnehmer absolvieren drei Sitzungen: Training, Spiegelübungen und sEMG-Biofeedback. Die Sitzungen finden im Abstand von jeweils einer Woche statt, die letzten beiden in zufälliger Reihenfolge. In der ersten Sitzung erlernen die Teilnehmer die Selbstkorrekturbewegung. In den folgenden Sitzungen führen sie, unterstützt durch Feedback, vier auf wissenschaftlichen Studien basierende Selbstkorrekturübungen durch. Jedem Teilnehmer wird per Zufallsprinzip ein Physiotherapeut für alle Sitzungen und ein Gutachter zugeteilt. Beide sind verblindet.
Autoren: Marin L, Pedrotti L, Febbi M, Anelli M, Ottobrini S